Amon Sul  
Schrift  

Aktuelles I Info I Shows I Work I Multimedia I Kontakt I Links I Gästebuch

Akita I Thai Ridgeback I Lundehund I Xoloitzcuintle I Kookie

 
 
 
 

 
 

Umgang mit dem Thai Ridgeback

 

Wie geht man nun mit einem so ursprünglichen Hund um?
Eigentlich ganz einfach, so wie man mit jedem anderen Hund auch umgehen sollte: ruhig, besonnen, liebevoll, respektvoll und konsequent!
Der Thai Ridgeback braucht mehr als viele anderen Hunde eine klare Führung. Damit meine ich nicht einen Menschen, der einen Alpha-Wolf imitiert, den Hund mit unnötigen Dominanzdemonstrationen verwirrt und mit Druck und Strafe mit ihm arbeitet! Sondern eine souveräne Begleitung durchs Leben, die ihm Sicherheit gibt.
Die „Dominanztheorie“ ist in Fachkreisen schon lange umstritten, ebenso wie der Einsatz von Strafe und Starkzwangmittel wie Würge- und Sprühhalsbänder usw. Leider höre ich aber oft, dass moderne Hundeerziehung ja eine nette Sache sei, man aber bei „schwierigen“ Rassen nicht anders könne, als „hart durchzugreifen“. Das Gegenteil ist der Fall: je schwieriger die Rasse bzw. der einzelne Hund, desto weniger Fehler verzeiht er!
Das erlebe ich jeden Tag bei meinen Thais. Natürlich bin auch ich nur ein Mensch und hin und wieder platzt einem eben der Kragen. Je mehr man sich im Umgang mit dem Thai aber unter Kontrolle hat desto besser!

Das heißt natürlich nicht, dass man nachlässig oder antiautoritär mit einem Thai umgehen sollte! Aber Autorität erreicht man nicht wenn man die Fassung verliert, herumschreit oder sogar grob wird! Autoritäre Persönlichkeiten, sind solche, die über den Dingen stehen, den Weg weisen und klare Regeln aufstellen.
Das wiederum gibt einem Hund Sicherheit und es gibt keinen Grund für ihn irgendeine Rudelführung anzustreben!

Hundeerziehung ist stets ein kontroverses Thema und ich möchte hiermit keine Diskussion über Sinn und Unsinn verschiedener Erziehungsmethoden heraufbeschwören. Es gibt viele Wege mit einem Hund umzugehen und jeder hat seine Vor- und Nachteile. Folgende Ausführungen stützen sich jedoch auf aktuelle Erkenntnisse der Wissenschaft und haben sich im Umgang mit meinen Thais und den anderen Hunden sowie in meiner Arbeit als Tierverhaltensberaterin bewährt.
Dieser Leitfaden ist auch nur als Denkanstoß zu verstehen, das Thema ist abendfüllend. Es gibt zahlreiche hervorragende Bücher auf dem Markt, die sich eingehender mit der Materie beschäftigen (siehe Literaturempfehlungen). Bei Fragen stehe ich auch jederzeit gerne zur Verfügung!

Das Rezept für einen wesensfesten Thai...

...gibt es nicht! Bis auf wenige Ausnahmen sind alle Thais mehr oder weniger vorsichtige Hunde. Allerdings gibt es Mittel und Wege, sein Selbstbewusstsein zu stärken und das Bestmögliche aus ihm herauszuholen.
Dies beginnt schon beim Züchter! Thai Ridgeback Welpen erfordern weit mehr Aufwand in der Sozialisierung als andere Rassen. Allerdings wird es kaum einem Züchter möglich sein, einen kleinen Thai auf jede erdenkliche Situation vorzubereiten. Deshalb liegt es in der Hand des neuen Besitzers die Sozialisierung seines Thais nach seinen Wünschen und Vorstellungen weiter zu führen. Je mehr Dinge, Menschen, Tiere und Begebenheiten ein junger Thai kennen lernt, desto besser wird er mit diesen im späteren Leben umgehen können. Achten Sie dabei aber stets darauf, dass alle Erfahrungen die er sammelt positiver Natur sind. Sozialisierung heißt nicht, den Hund unkontrolliert möglichst vielen Situationen auszusetzen! Schlechte Erfahrungen in der Frühentwicklung sind natürlich fatal! Es ist immer darauf zu achten, dass der Thai nicht überfordert wird.

Der Einsatz von Strafe

Prinzipiell ist der Einsatz von Strafe in der Hundeerziehung nicht zu empfehlen! Es versteht sich von selbst, dass es ethisch nicht vertretbar (und auch per Tierschutzgesetz verboten) ist, einem Hund Schmerze zuzufügen! Den Hund zu schlagen u.ä., sowie der Einsatz von Stachel- oder Elektroschockhalsbändern ist somit keine Alternative mehr und gegen das Gesetz!
Aber auch jede andere Form von positiver Strafe (also dem Hinzufügen von etwas Unangenehmen) ist heute umstritten. Dazu gehören auch Sprühhalsbänder, Leinenruck, Schimpfen, der sog. Schnauzengriff uvm.
Abgesehen von der ethisch/moralischen Fragwürdigkeit ist der Einsatz von Strafe auch aus lerntheoretischer Sicht nicht sinnvoll:

  • Strafe erzeugt Stress und es ist wissenschaftlich erwiesen, dass das Lernvermögen unter Stress stark herabgesetzt ist!
  • Strafe zeigt nur, welches Verhalten unerwünscht ist, jedoch nicht, welches stattdessen gezeigt werden sollte!
  • Strafe ist nur wirksam, wenn sie richtig eingesetzt wird und der richtige Einsatz von Strafe ist sehr schwierig.
  • Strafe ist oft reine Symptombehandlung, ändert aber nicht den Gemütszustand des Hundes, sondern verschlimmert ihn unter Umständen sogar.
  • Die Mensch-Hund-Beziehung kann empfindlich gestört werden, wenn der Hund sein Vertrauen in den Menschen verliert.
  • Hunde gewöhnen sich rasch an Strafe, weshalb sie mit der Zeit immer heftiger werden muss um den gewünschten Effekt zu erzielen.
  • Was der Mensch als Strafe meint, kann vom Hund durchaus auch als Belohnung empfunden werden, z.B. Schimpfen, wenn der Hund Aufmerksamkeit möchte.

Der positive Effekt von Strafe ist damit weit geringer als der Negative! Gerade bei einem sensiblen Hund wie dem Thai Ridgeback.
Mitunter kann der Einsatz sog. Negativer Strafe sinnvoll sein. Negative Strafe ist das Wegnehmen von etwas Angenehmen, z.B. Sozialkontakt. Zu dieser Art von Strafe gehören z.B. das Ignorieren oder die sog. „Auszeit“ (der Hund wird in einen anderen Raum geschickt). Werden Strafen dieser Art richtig und nicht übermäßig angewandt, besteht keine so große Gefahr, dass der Hund sein Vertrauen in den Menschen verliert.

Positive Bestärkung

Positive Bestärkung ist der Schlüssel zum Erfolg! Statt unerwünschtes Verhalten zu bestrafen, wird Erwünschtes belohnt.
Arbeitet man auf Basis positiver Bestärkung, schaltet man nicht nur die negativen Effekte der Strafe aus. Man erreicht noch viel mehr: die Mensch-Hund-Beziehung wird vertieft. Beide Parteien haben mehr Spaß am Training, was zu einem größeren Lernerfolg führt.
Wichtig ist hier jedoch, die richtige Belohnung zu finden. Viele Hundeschulen setzen bereits auf Leckerlis, kommen jedoch an ihre Grenzen, wenn der Hund dadurch nicht motivierbar ist. Der Thai Ridgeback kann unter Umständen schwer zu motivieren sein. Leckerlis funktionieren oft gut, müssen jedoch wirklich schmackhaft sein. Für das Trockenfutter, dass er ohnehin gratis zu seinen Futterzeiten bekommt, wird er sich nicht unbedingt ein Bein ausreißen. Gut funktionieren bei meinen Wurst- oder Käsehäppchen, bei noch heikleren Exemplaren kann man es z.B. mit angebratener Hühnerleber o.ä. probieren. Spiel, was für viele Hunde als Belohnung empfunden wird, interessiert den Thai meistens nicht.
Prinzipiell gilt: das was der Hund gerade haben möchte, ist die beste Belohnung, das kann auch Schnuppern sein, Zugang zum Garten uvm. sein.

Clickertraining ist eine der besten Methoden einen Thai Ridgeback auszubilden. Abgesehen von der positiven Bestärkung hat man hier auch noch die Möglichkeit mittels eines Click-Geräusches unmissverständlich zu kommunizieren. Diese Methode wurde für die Delphin-Dressur entwickelt und wird weltweit in der Ausbildung von Zoo- und Filmtieren angewandt. Die Methode hier zu erklären würde den Rahmen sprengen, lesen Sie ein gutes Buch zu diesem Thema (siehe Literaturempfehlungen) und/oder besuchen Sie einen Clickerkurs, wenn Sie die Möglichkeit haben!

Thai Ridgebacks & andere Hunde

Thai Ridgebacks haben mitunter Probleme mit anderen Hunden. Das kann verschiedene Gründe haben. Eines ist aber sicher: führt sich der Thai auf wie ein Verrückter, schnappt um sich, bellt und knurrt, dann ist es KEIN Dominanzproblem. Dominante Hunde sind souveräne Persönlichkeiten, die es nicht nötig haben, sich so zu benehmen.
Viel mehr ist es in diesem Fall ein Angstproblem. Thais sind oft unsicher im Umgang mit anderen Hunden. Sei es weil sie in ihrer Jugend keine anderen Hunde kennen gelernt haben, oder weil sie schlechte Erfahrungen gemacht haben. Auch Missverständnisse in der Kommunikation können ein Grund sein.
Bestrafen Sie einen Hund niemals, weil er ängstlich ist! Es ist ihre Aufgabe als Besitzer, ihm in dieser Situation beizustehen!
Oft führt hier der Einsatz von Strafen – besonders das Zerren am Halsband oder der Griff in den Nacken – zu einer Verstärkung des Problems! Daher empfiehlt sich dringend der Einsatz eines Brustgeschirrs!
Ein genauer Therapieplan würde hier zu weit führen. In aller Kürze empfehle ich problematischen Situationen grundsätzlich aus dem Weg zu gehen. Und gleichzeitig den Hund systematisch Schritt für Schritt an fremde Hunde zu gewöhnen. Belohnen Sie ihren Hund, wenn er konfliktvermeidende Verhaltensweisen zeigt und von sich aus Distanz schafft oder andere Beschwichtigungssignale einsetzt.
Sie können diesem Problem vorbeugen, indem Sie Ihrem Thai Welpen viele positive Kontakte zu fremden Hunden ermöglichen, ihn aber auch daran gewöhnen, dass Hunde manchmal eben einfach so vorbei gehen. Der Besuch einer guten Welpenspielgruppe ist sehr empfehlenswert. Hierbei ist aber stets darauf zu achten, dass das Welpenspiel kontrolliert stattfindet (d.h. dass die Hunde nicht einfach aufeinander losgelassen werden, sondern eingegriffen wird, wenn sich die Gemüter zu sehr erhitzen oder ein Hund wiederholt nur Opfer oder nur „Täter“ ist). Keine Welpenspielgruppe ist besser als eine schlechte!

Aggression gegen Menschen

Aggression gegenüber Fremden ist ebenfalls oft ein Angstproblem. Achten Sie auch hier wieder auf viele positive Erfahrungen schon beim Welpen und vermeiden Sie Problemsituationen! Achten Sie vor allem darauf, dass der Thai niemals in die Enge getrieben wird! Hat er keine Möglichkeit auszuweichen, hat er keine andere Wahl mehr, als sich zu verteidigen!
Aggressionen innerhalb der Familie können ebenfalls der Selbstverteidigung dienen. Überdenken Sie ihren Umgang mit dem Hund und achten Sie in Zukunft darauf ihn nicht in Angst und Schrecken zu versetzen.
Defensive Aggression kommt auch vor, wenn der Hund Schmerzen hat. In diesem Fall sollte man nachsichtig sein. Im Zweifelsfall sollte der Hunde bei etwaigen schmerzhaften Behandlungsmaßnahmen einen Maulkorb tragen. Mit meinen Thais habe ich jedoch die Erfahrung gemacht, dass – wenn einem der Hund vertraut – sie bei Verletzungen sehr ergeben sind und meine Hilfe suchen.
Defensive Aggression bei Pflegemaßnahmen wie Krallen schneiden, Bürsten etc. muss man gar nicht erst aufkommen lassen, wenn man den Hund von klein auf an solche Handlungen gewöhnt.
Sog. „Dominanzaggression“ ist oft die Verteidigung von Ressourcen. Der Hund knurrt, wenn man ihn vom Sofa schupft, ihm das Futter wegnimmt oder ähnliches. Vermeiden Sie solche Situationen. Rufen Sie den Hund vom Sofa zu sich. Nehmen Sie ihm nie das Futter weg, sondern geben Sie ihm sogar einmal etwas extra. Wenn Sie dem Hund eine Beute wegnehmen müssen, tauschen Sie sie gegen ein Leckerli usw. Hunde mit denen so umgegangen wird, haben dann auch keinen Grund ihre Ressourcen zu verteidigen, wenn einmal kein Leckerli zur Hand ist.
Umgeleitete Aggression kommt vor, wenn man z.B. in einen Hundekampf eingreift und der Hund dann nach dem Menschen schnappt. Entgegen althergebrachter Meinungen, denke ich, dass auch diese Form der Aggression nichts mit Dominanz zu tun hat. Der Hund merkt vermutlich gar nicht nach wem oder was er da gerade geschnappt hat. Greifen Sie deshalb in Hundekämpfe nur sehr gezielt und am besten nach Absprache mit einer zweiten Person gleichzeitig ein.
Das Aggressionsverhalten des Hundes ist sehr vielschichtig und auch diesbezüglich möchte ich hier keinen allgemein gültigen Therapieplan erstellen. Allgemein gültig ist jedoch:

  • Bestrafen Sie einen Hund nie, weil er knurrt! Er gewöhnt sich vielleicht das Knurren ab, aber der Gemütszustand bleibt der Gleiche und es könnte äußerst gefährlich werden, wenn er in Zukunft nicht mehr warnt, sondern sich gleich zur Wehr setzt.
  • Prüfen Sie immer, warum der Hund aggressiv reagiert und ändern sie die Situation, nicht das aggressive Verhalten selbst.
  • Wenn ein Hund knurrt unterbrechen Sie immer, die Handlung, die das Knurren ausgelöst hat! Bestrafen Sie den Hund nicht, vor allem nicht körperlich. Damit wird zwar die Aggression des Hundes belohnt, alles andere wäre jedoch zu gefährlich, da man einen Angriff des Hundes provozieren könnte!!!

Der Jagdtrieb

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt, habe ich keine Erfahrungen mit Anti-Jagdtraining beim Thai.
Die einfachste und effektivste Methode um einen Thai am Jagen zu hindern ist, ihn in wildreichen Gegenden nicht von der Leine zu lassen!
Das klingt banal, kann Ihrem Hund jedoch das Leben retten, wenn die Gefahr besteht, dass er auf Zuruf nicht zuverlässig kommt. Abgesehen davon, dass es nicht vertretbar ist, dass der Hund Wild verletzt oder gar tötet, besteht auch die Gefahr für den Hund, dass er von einem Jäger erschossen oder überfahren wird, wenn er das Wild über eine Straße hetzt.
Unter Umständen kann man das Problem unter Kontrolle bekommen, wenn man dem Hund beibringt zuverlässig zu kommen. Man hat aber kaum eine Chance den Hund zu erreichen, wenn er bereits Wild hetzt. Daher ist eine genaue Kenntnis der Verhaltenskette der Jagd nötig um bereits früh genug auf den Hund einzuwirken.