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Besonderheiten

*Fotos werden bald nachgereicht*

Wer den Lundehund auf der Straße sieht, hält ihn meist für einen gelungenen Mischlingshund und ahnt nicht, dass er eine der außergewöhnlichsten, wenn nicht die außergewöhnlichste Hunderasse überhaupt vor sich hat. Natürlich gibt es viele Rassen, die eine ungewöhnliche Besonderheit aufweisen, aber nur eine Rasse, die so viele anatomische Wunder in einem vereint.

Man sagt, der Lundehund sei:

  • Die Hunderasse mit den meisten anatomischen Besonderheiten
  • Eine der ältesten Hunderassen der Welt
  • Eine der reinsten Hunderassen der Welt
  • Eine der seltensten Hunderassen der Welt

Anatomische Besonderheiten

  • Der Lundehund hat mindestens 6 Zehen an jeder Pfote, sodass er einen besseren Halt beim Klettern hat.
  • Er kann seine Vorderläufe in einem 90° Winkel vom Körper abspreizen und
  • er kann seinen Kopf soweit in den Nacken legen, dass er den Rücken berührt um sich in den Höhlen besser bewegen und drehen zu können.
  • Er kann seine Stehohren völlig verschließen um sie vor Spritzwasser und Schmutz zu schützen.

Es heißt, der Lundehund trage dieses Merkmale um optimal an seine Aufgabe – die Jagd nach Papageientauchern in den Klippen - angepasst zu sein.
Es stimmt natürlich, dass ihm all diese Dinge sehr beim Klettern und dem Bewegen in den Höhlen helfen.
Allerdings darf man nicht davon ausgehen, dass sich die Norweger damals gedacht haben, sie hätten gerne einen Hund mit vielen Zehen, besonderer Beweglichkeit und verschließbaren Ohren. Und dann gezielt darauf gezüchtet haben. Vielmehr sind diese Mutation zufällig aufgetreten und der Mensch hielt es für eine gute Idee mit diesen Hunden weiter zu züchten um die Merkmal in der Rasse zu festigen. Mutationen sind nicht zielgerichtet und können nicht züchterisch im Voraus geplant werden. Man kann nur mit zufällig aufgetretenen Mutationen arbeiten und diese für die Zukunft festigen.

Polydaktylie (Vielzehigkeit)

Normalerweise haben Hunde an den Vorderpfoten fünf und an den Hinterpfoten vier Zehen. Ursprünglich hatten alle Landlebewesen 5 Zehen an allen Gliedmaßen - ob Amphibium, Reptil, Vogel oder Säugetier. Die 5. Zehe an den Hinterpfoten der Hunde ist im Laufe der Evolution verloren gegangen, als die Dschungel sich lichteten und die Tiere sich an ein Leben und Laufen auf offenen Land angepasst haben. Bei reinen Lauftieren, wie dem Pferd sind sogar alle weiteren Zehen, bis auf die Mittelzehe verschwunden. Auch die 5. Zehe an den Vorderbeinen ist beim Hund nur mehr rudimentär und wird nicht mehr zum Laufen verwendet. Da die Evolution aber sehr langsam arbeitet, ist sie noch vorhanden.
Laut dem bekannten Hundeforscher Eberhard Trumler, scheint es sich beim Wegfallen einer Zehe aber nicht um ein Wegfallen eines oder mehrere Gene für „Zehenbildung“ zu handeln, sondern vielmehr um ein Hinzukommen eines Gens, das die Zehenbildung unterdrückt. Wenn nun dieses wieder ausfällt, wird die Zehe wieder gebildet. So kommt es ja bei Hunden mitunter vor, dass sie auch an den Hinterpfoten fünf Zehen haben. Diese zusätzliche Zehe wird „Wolfskralle“ oder „Afterkralle“ genannt. Oft wird empfohlen oder auch im Standard vorgeschrieben, dass diese Zehe entfernt wird.
Warum Hunde allerdings noch mehr als fünf Zehen aufweisen, vermag auch Trumler nicht zu beantworten: „Wir können nur vermuten, dass die Ausfalls- oder Mangelerscheinungen im Gengefüge gewissermaßen übermäßig aus der Kontrolle geraten sind und diesen Verdoppelungseffekt nach sich zogen.“ (Zitat aus E. Trumler: Meine wilden Freunde, München 1981).
Es gibt einige Hunderassen, die eine doppelte Afterkralle aufweisen, z.B. den französischen Beauceron. Ebenso kommt Vielzehigkeit auch an den Vorderpfoten bei Katzen z.B. der Main Coon vor (>Link Polydaktylie bei Main Coons) oder auch beim Menschen (>Link Polydaktylie beim Menschen) und ist bei sämtlichen Wirbeltieren möglich. In diesen Fällen wird das Merkmal dominant vererbt. Über die Vererbung beim Hund, habe ich leider nichts gefunden, gehe aber auch hier von einem dominanten Erbgang aus.
Der Lundehund ist die einzige Hunderasse der Welt bei der Polydaktylie an allen Gliedmaßen vorhanden ist. Meistens haben sie sechs Zehen an jeder Pfote, es können aber auch mehr sein.

Extreme Beweglichkeit

Leider finde ich keine wissenschaftlichen Erklärungen, warum der Schultergürtel des Lundehundes so beweglich ist. Aber ich bleibe dran ;-)
Warum auch immer, aber der Lundehund ist fähig seine Vorderläufe in einem 90° Winkel vom Körper abzuspreizen. Außerdem ist er in der Lage, seinen Kopf soweit in den Nacken zu legen, dass seine Nase den Rücken berührt.
Dies verleiht ihm eine extreme Beweglichkeit und Wendigkeit, sodass er sich in den Papageientaucher-Bruthöhlen leicht bewegen und drehen kann. Ebenso ist es deshalb fast unmöglich einen Lundehund gegen seinen Willen festzuhalten um ihm z.B. die Krallen zu schneiden ;-))

Ohren verschließen

Auch hier halten sich die wissenschaftlichen Informationen in Grenzen. Der Lundehund kann seine Ohren völlig verschließen um sie vor Schmutz und Wasser zu schützen. Es heißt, er habe eine extra Knorpelfalte, die ihm diese Gabe verleiht.

Der Lundehund hat ein sehr ausgeprägtes Ohrenspiel, mehr noch als andere nordische Rassen von denen man dieses auch kennt (z.B. dem Husky), blitzschnell kann er die Ohren in sämtliche Richtungen bewegen, nach vorne oder nach hinten zuklappen. Dies alleine ist, meiner Meinung nach, noch keine wirkliche Besonderheit gegenüber anderen Rassen. Die wirklich besondere Ohrenstellung ist, wenn das Ohr eng an den Kopf gedrückt ist, die obere Hälfte der Ohrmuschel aber aufgestellt, sodass sich ein Trichter bildet. Wodurch das Ohr zwar verschlossen ist, dennoch aber Schallwellen eingefangen werden können. Diese Ohrenstellung habe ich wirklich noch bei keiner anderen Rasse gesehen und auch Ylvie zeigt sie nur sehr selten, wenn sich beim Spielen o.ä. das Ohr zufällig so faltet.

 


Eine der ältesten Hunderassen der Welt

Eigentlich ist der Lundehund nicht wirklich eine der ältesten Rassen der Welt, wie es oft gesagt wird. Manchmal heißt es, der Lundehund würde nicht vom Wolf, sondern vom canis ferus abstammen und sich damit von allen anderen Hunderassen der Welt unterscheiden. Das stimmt nicht. Heute ist es eigentlich einwandfrei geklärt, dass alle Hunderassen – wie besonders oder seltsam sie auch sein mögen – allesamt vom Wolf canis lupus abstammen.
Weiter wird geschrieben, der Lundehund sei so alt, weil er das prähistorische Merkmal der 5. Zehe aufweist (siehe Polydaktylie). Auch dies kann so nicht gesagt werden, da der Wolf dieses Merkmal nicht aufweist und der Lundehund somit eher später wieder einen Rückschritt gemacht hat, anstatt auf dieser Stelle stehen zu bleiben.
Fest steht, dass die Rasse etwa seit dem Mittelalter bekannt ist, was für eine Rasse schon ziemlich alt ist. Zwar gibt es Hunderassen, die schon vor mehreren Tausend Jahren erwähnt wurden, doch kann man auch hier davon ausgehen, dass diese Rassen damals nicht unbedingt dem entsprachen, was wir heute vor uns haben (siehe Akita – ähnliche Hunde gab es zwar schon vor über 3000 Jahren, die heutige Rasse ist allerdings erst in der Neuzeit rückgezüchtet worden).
Natürlich weiß man nicht, ob die mittelalterlichen Lundehunde bereits all ihre Besonderheiten aufwiesen, ob es Lundehunde im heutigen Sinn waren.
Vor allem kann man den Lundehund als sehr alt bezeichnen, weil er ein sehr ursprünglicher Hundetyp ist. Der erste Hund überhaupt, der vor ca. 15.000 Jahren lebende Torfhund, sah in etwa so aus wie die nordischen Jagdhunderassen – Finnenspitz, Elchhund, Buhund und natürlich Lundehund. Als typische Urhunde gelten heute die südlichen Pariahhunde, aber auch die nordischen Hunde könnte man eigentlich dazu zählen, denn der einzige Unterschied im Erscheinungsbild, ist das dichte Fell.
Im Zusammenleben mit einem Urhund, einem japanischen Nordischen und einem nordischen Jagdhund, konnte ich aber auch einen Unterschied im Wesen feststellen. So denke ich, dass die nordischen Jagdhunde besser an das Leben mit dem Menschen angepasst sind als die südlichen Urhunderassen, die über viele Jahrhunderte mehr sich selbst überlassen waren, als in der Obhut des Menschen zu stehen. So kann ich einen zunehmenden Domestikationsgrad von Thai Ridgeback, über Akita, zu Lundehund feststellen. Aber wir wollen nicht abschweifen ;-)
Tatsache ist, der Lundehund ist sicher nicht die älteste Rasse der Welt. Er gehört aber zweifelsohne zu einem sehr ursprünglichen Typ von Hund zu dem man aber noch etliche andere Hunderassen zählen kann, die innerhalb der FCI Gruppe 5: Nordische Hunderassen und Hunde vom Urtyp zusammen gefasst werden.


Besondere Reinrassigkeit

Auf einer amerikanischen Lundehund-Webseite habe ich gelesen, dass der Lundehund eine der reinsten Rassen überhaupt sei und dass man ca. 30 Genpaare analysieren muss um einen Lundehund von einem anderen zu unterscheiden.
Für mich drängt sich die Frage auf, ob das eine positive Eigenschaft ist.
Sicherlich ist sie nicht darauf zurückzuführen, dass die Rasse über Jahrhunderte in genetischer Isolation gezüchtet wurde, sondern vielmehr darauf, dass alle heutigen Rassevertreter auf nur ca. sechs Einzelexemplare aus den 1930ern zurückgehen, weshalb die Rasse sehr stark ingezüchtet ist. Grund dafür war, dass die Rasse kurz vor dem Aussterben stand. Näheres hierzu unter >Geschichte.
Sehr positiv ist aber die ausgezeichnete Arbeit die seit dem geleistet wurde. In den Ahnentafeln von heute findet man kaum mehr Inzucht. Und der Bestand gilt inzwischen als gesichert.
Ebenso positiv ist die Tatsache, dass trotz des geringen Genpools kaum Erbkrankheiten in der Rasse auftreten. Inzucht erzeugt zwar keine Erbkrankheiten, sie begünstigt aber deren in Erscheinung treten, falls rezessiv vorhanden, ungemein. Sind aber keine Erbkrankheiten vorhanden, können sie auch nicht durch Inzucht entstehen. Vielmehr ist dies der Beweis, dass diese letzten sechs Lundehunde völlig gesund waren und diese Eigenschaft an sämtliche Nachzuchten weitergegeben haben.

Inzucht führt aber auch zu Inzuchtdepression, einem Phänomen das die allgemeine Fitness des Lebewesens einschränkt. Möglich, dass die einzige gesundheitliche Bürde des Lundehunds, das sog. „Lundehundsyndrom“, welches zwar als nicht-erblich gilt, aber innerhalb dieser Rasse auffällig oft auftritt, ein Symptom dieser Inzuchtdepression ist. Dies ist allerdings meine persönliche Theorie, die ich bis jetzt noch nicht wissenschaftlich bestätigen konnte.

Eine der seltensten Hunderassen der Welt

Natürlich gibt es mit Sicherheit seltenere Hunderassen. Aber unter den FCI anerkannten Rassen, gehört der Lundehund sicherlich zu denen mit sehr geringer Verbreitung.
Der weltweite Bestand wird auf ca. 1500 Vertreter geschätzt. Die größte Population lebt natürlich in Norwegen (ca. 600), gefolgt von den USA (ca. 250), Finnland und Dänemark (jeweils ca. 120), ebenso gibt es einige Lundehunde in Schweden, Kanada, Deutschland, den Niederlanden, Frankreich und der Schweiz. In anderen Ländern gibt es nur vereinzelt Exemplare. So leben in Österreich einschließlich Ylvie zur Zeit 5 Lundehunde, in der Tschechischen Republik 3, ca. 3 in Luxemburg und als einziges Exemplar in Asien einer in Singapur.
Diese Daten stammen zum Großteil aus dem Buch „Der Lundehund – Ein Meisterwerk der Natur“ von Nicole Kamphausen, 2005. Seit dem kann sich natürlich wieder etwas getan haben (Österreich & Tschechien wurden bereits nach neuestem Wissensstand meinerseits aktualisiert ;-)